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BLACK. SPACE. RACE.
A Supersonic Afrobeat Performance

„Look at that tree, because I can see the tree, I can go to the tree. It’s the same with the moon.“

Edward Mukuka Nkoloso

Der Sambische Wissenschaftler und Lehrer Edward Mukuka Nkoloso gründete 1960 die „Zambia National Academy of Science, Space Research and Philosophy“ und wollte 1964 am Unabhängigkeitstag seines Landes eine Rakete in den Weltraum schiessen.
Sein erklärtes Ziel war es, die beiden sich im Kalten Krieg befindlichen Supermächte USA und UdSSR im sogenannten „space race“ zu besiegen. Nkolosos selbstbewusstes Auftreten befremdete nicht nur die Supermächte. Journalist*innen aus verschiedenen Ländern besuchten seine Akademie, staunten ungläubig und machten sich in erster Linie lustig darüber.

Der Unterton der Artikel und Fernsehberichte war unisono: Wie kann sich ein primitiver Afrikaner erfrechen, mit einer so hochtechnologischen Unternehmung wie Weltraumfahrt in Wettbewerb zu treten, geschweige denn, sich überzeugt zu geben, dieses Rennen auch noch gewinnen zu können?

„BLACK. SPACE. RACE.“ macht unter der Prämisse des Afrofuturismus aus dem space race auch ein „race race“ – ein Rassenrennen. Afrofuturismus behauptet eine imaginierte Zukunft,
die Kunst, Wissenschaft und Technologie durch eine „black lens“ sieht:
„The artistic movement called Afrofuturism, a decidedly black creation, is meant to go far beyond the limitations of the white imagination. It isn’t just the idea that black people will exist in the future, will use technology and science, will travel deep into space. It is the idea that we will have won the future. There exists, somewhere within us, an image in which we are whole, in which we are home. Afrofuturism is, if nothing else, an attempt to imagine what that home would be.“ (Carvell Wallace, The New York Times Magazine, „Why ‚Black Panther’ is a Defining Moment for Black America). Ausdruck findet diese Philosophie besonders in der Science Fiction, zum Beispiel in Comics wie „Black Panther“, dessen Verfilmung Ende Januar 2018 erschienen ist. Afrofuturismus ist tief verwurzelt mit afrikanischen Traditionen und „black identity“ und zelebriert kompromisslos und unverfroren die Einzigartigkeit der „black culture“.

Filme wie „Black Panther“, die von einem breiten, diversen, internationalen und interkulturellen Publikum konsumiert und gefeiert werden, beweisen, dass Geschichten die von Blackness durchdrungen sind eine vereinende Kraft haben.

„BLACK. SPACE. RACE.“ ist ein Theaterabend über people of colour, die eine „agency“ – eine Handlungsmacht – haben. Die frei sind und sich niemandem unterwerfen. Diese Darstellung von Schwarzen kratzt an den vorherrschenden, postkolonialen Vorurteilen, die bewusst oder unbewusst nach wie vor den Blick von Weissen auf Schwarze prägen, auch in der mittlerweile ziemlich multikulturell scheinenden Schweiz. Die vereinende Kraft von afrofuturistischen Geschichten wie „Black Panther“ verstärkt sich im Theater durch dessen Unmittelbarkeit und die Kopräsenz der Performer*innen und Zuschauer*innen ins Existentielle. Wir alle sind vom Thema Diskriminierung und racial profiling direkt betroffen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Schön wäre, wenn unsere überwiegend weisse Bevölkerung in ihren schwarzen Mitmenschen auch mal Astronauten sehen könnte, statt nur Drogendealer oder Prostituierte. Höchste Zeit also, dass die Geschichte von Edward Mukuka Nkoloso jetzt und hier auf der Bühne verhandelt wird und es mit den bestehenden Befangenheiten in unserer Gesellschaft zum Bruch kommt!

Die Geschichte, die auf der Bühne in Form einer Afrobeat-Performance erzählt wird, behauptet eine Realität, in der die Träume Nkolosos in Erfüllung gehen, in der seine Afronaut*innen tatsächlich zum Mond und zum Mars fliegen. Der Text von Urweider und Cele beleuchtet nicht nur das Leben dieser Don-Quichote-esquen Figur in den zukunftshungrigen 1960ern, sondern extrapoliert diese auch in eine Zukunft, in der – gemäss der afrofuturistischen Theorie – die schwarze Rasse aus Ausserirdischen besteht, die allen anderen Rassen technologisch weit überlegen ist. Im Verlauf des Abends erfahren die Zuschauer*innen, dass Nkoloso nicht ins Weltall fliegen will, sondern eigentlich von dort her auf die Erde kam, um die weisse Rasse und ihren Überlegenheitskomplex zu studieren. Anhand der optimistischen Zukunftsvision der 1960er Jahre wird so auf der Bühne die Vergangenheit umgeschrieben und gleichzeitig eine Utopie für eine nahe Zukunft entworfen, in der schwarz nicht mehr gleichbedeutend ist mit rückständig, arm und unterdrückt.

Mit viel Suggestion kann man den Mond oder gar den Mars erreichen. Diese Kraft wird für „BLACK. SPACE. RACE.“ in der Musik gesucht, die Nkolosos Geschichte zu einer vibrierenden Afrobeat-Show kondensiert. Die musikalische Stilrichtung Afrobeat lebt von Perkussion, von der Verquickung von Jazz und Funk, von langen Intros und rituellem Sprechgesang mit chorischen Wiederholungen. Der Nigerianer Fela Kuti hat den Afrobeat Anfang der 1960er geprägt und populär gemacht. Auftritte in den USA hatten einen starken politischen Einfluss auf ihn. In Form seiner Musik brachte er den revolutionären Geist der afro-amerikanischen Befreiungsbewegung zurück nach Afrika. Daher rühren die politischen Botschaften seiner Afrobeat Songtexte. Künzler und Urweider komponierten für „BLACK. SPACE. RACE.“ ein gutes Dutzend Songs.

Zwei Songs steuerten die Gastkomponisten James Gruntz und Simon Ho bei. In ihrer hypnotischen Polyrhythmik sind die Songs die treibende, atmosphärische Kraft des Abends und strukturieren ihn dramaturgisch. Mit ihrer Schubkraft fliegt das Raumschiff zu den Sternen.

Manaka Empowerment Prod.

Die in Bern lebende südafrikanische Schauspielerin, Sängerin und Performerin Ntando Cele entwickelt seit 2005 in Afrika und Europa verschiedene Theater- und Performanceprojekte. Auf der Suche nach einem eigenen Stil und einer unverwechselbaren Sprache verwischt ihre Arbeit mit Manaka Empowerment Prod. auf einzigartige Weise die Grenzen zwischen Physical Theatre, Videoinstallation, Stand-up-Comedy und Performance. Auf humorvoll-charmante und gleichzeitig exaltierte Weise verhandelt Ntando Cele in ihren Projekten aus unterschiedlichen Perspektiven schwarze und weisse Identität, Rassismus, Stereotypen und Vorurteile.

2014 gründete sie zusammen mit Raphael Urweider und Simon Ho die Theater-, Musik- und Performance-Produktion Manaka Empowerment Prod. mit Sitz in Bern.

 

Kontakt:
Künstlerische Leitung: Raphael Urweider
urweider@gmail.com / 079 622 79 19

Produktionsleitung: Manaka Empowerment Prod. c/o Boss & Röhrenbach
Waisenhausplatz 30, Atelier 262, 3011 Bern boss.theater@gmail.com / 079 584 04 94 michael@westwerk-hamburg.de / 079 315 79 68

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